Pastor Peter Rudolph: Abschieds- und Dankeswort

Peter RudolphIn diesem gemeinsamen Weihnachtspfarrbrief der Pfarreiengemeinschaft St. Jakob habe ich Platz bekommen, noch einmal "danke" zu sagen und zu entfalten, wem ich besonders zu Dank verpflichtet bin, und wofür ich vor allem danken möchte. An einem Abschiedstag kann ja nicht alles gesagt werden, vor allem, weil ich berührt und sprachlos war, so dass ich am Schluss der Festmesse nur alles in "vielen Dank" zusammenfasste.

Zunächst sehe ich noch einmal alle vor mir, die das Christkönigsfest vorbereitet und aktiv begleitet haben: die Mitglieder unserer Räte und Ausschüsse aus den beiden Pfarrbereichen Christkönig und St. Pius und die sonstigen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, angefangen vom Kindergarten, über unsere Kinder- und Jugendgruppen, die Messdiener (auch aus St. Jakob) bis hin zum bewährten Stamm der erfahrenen Helferinnen und Helfer von Festausschuss und Frauengemeinschaft. An was war nicht alles zu denken, was war nicht zu üben, zu richten, wie viel war nicht alles zu schleppen und zu bedienen! Es fiel übrigens vielen Pfarrangehörigen und auch unseren Gästen auf, wie zahlreich in Christkönig Alt und Jung vertreten sind und Hand in Hand zusammenarbeiten. - Gezeigt hat das ja auch die Zusammensetzung des imponierenden Projektchors in der Kirche. - Dass da in den letzten Jahren wieder Einiges gewachsen und dazugekommen ist, spricht auch im Rahmen des christlichen Lebens der ganzen Stadt Saarbrücken für eine gute Zukunft! - Ich danke auch ausdrücklich denen, die geplant und koordiniert haben, vor allem der Vorsitzende unseres Pfarrgemeinderats Herr Gesang, der die Hauptlast der Vorbereitung und Ausrichtung durch Wort und Tat getragen hat. Im Hintergrund haben fleißige Hände für den festlichen Rahmen gesorgt: Zu nennen sind unsre beiden Küsterinnen Frau Ille und Frau Ziegler und nicht zu vergessen unser Hausmeister, Herr Matkovic.

In den Dank beim Abschied gehören auch die, die mich in diesem Vierteljahrhundert Pfarrersein auf dem auch schwierigen und holprigen Weg begleitet haben. Dazu hole ich ein bisschen aus. Die Gremien der Katholiken unseres Dekanats stellen sich in ihrem Leitbild 2008 so vor: "Im Dekanat Saarbrücken gemeinsam unterwegs vor Gott für die Menschen". - Bis dahin war es ein langer Prozess. Als ich im Herbst 1986 nach Saarbrücken kam, konnte ich nicht ahnen, was auf mich zukam und welche Aufgaben zu bewältigen waren. Ich war ja "nur" für eine Pfarrei zuständig. (Schwer genug, nachdem ich vorher 18 Jahre lang in einem ganz anderen Bereich gearbeitet hatte!) Aber es wurde immer dringlicher, weiter zu blicken und auf Veränderungen und Umschichtungen weit über Christkönig hinaus zu reagieren. Ich wurde mehr und mehr darauf aufmerksam, dass Grenzen sich verschieben, und dass nichts mehr selbstver-ständlich ist, im persönlichen Leben wie in dem der Gemeinde. So musste ich lernen, dass mein Aufgabenfeld und mit mir das auch der Christen in Saarbrücken sich auf Stadt und Land beziehen. Am Christkönigssonntag wurden die Verhandlungen wegen der Finanzierung unserer Kindertagesstätten erwähnt. Tatsächlich führte 1998 u. a. die zunächst heftige Konfrontation mit der Stadt Saarbrücken dazu, dass wir Katholiken Saarbrückens zusammenrückten, gemeinsam aufbrachen und politisch wurden. Es ging ja um die Existenz unserer Einrichtungen! Konkret gehörten damals dazu: eine große Demonstration mit Zug durch die Innenstadt, an der Einrichtungen aus dem ganzen Saarland teilnahmen, ein Solidaritätsfond, in den Gemeinden der ganzen Stadt einzahl-ten, um finanzschwachen Pfarrkindergärten zu helfen, und viele Gespräche (auch gar nicht einfache mit der Bistumsverwaltung!), um die entstandene Konfrontation zu entkrampfen.

Dass es zu einem Deutschen Katholikentag in der Landeshauptstadt Saarbrücken kam, dass wir heute in einem Stadtdekanat mit Christen verschiedener Herkunft über Pfarrgrenzen hinweg zusammenarbeiten und dass die Katholiken Saarbrückens sich auf einen Leitbildprozess eingelassen haben, hat viel Kraft gefordert. Gemeindemitglieder aus Christkönig und St. Pius sind dabei auch bei Klausurtagungen wesentliche Schritte mitgegangen, ertrugen wie ich geduldig Blessuren und mussten auch über ihren Schatten springen. Inzwischen sind wir auf einem guten Weg, aber nicht am Ziel.

An Weihnachten schauen wir auf die Menschwerdung - die Gottes und unsere. Ein großes Thema! Wenn ich darauf im Zusammenhang mit meinem Abschied zu sprechen komme, dann auch, um daran aufzuzeigen, zu welch gewaltigem Umbruch es in meiner "Christkönigszeit" gekommen ist, und welch ein Prozess hinter uns, aber auch noch vor uns liegt. Zur Menschwerdung gehört das Erwachsenwerden. - Jeder kann sich selbst einmal die Frage stellen: Bin ich erwachsen, wann bin ich es geworden? - Wie anders sehen wir das heute als vor 25 oder noch mehr Jahren!

Wo ist heute die Gesellschaft, die weiß, was "erwachsen" ist? Wo sind heute die Rahmen, die das festlegen? Wo sind die, die die Wege zu diesem Ziel kennen und nennen? Merken wir nicht - nicht nur in der Kirche - im Umgang mit unseren heranwachsenden Kindern und Jugendlichen, die erwachsen werden wollen und sollen, wie oft uns die Worte fehlen und wie wir ratlos dastehen?

Erwachsen werden als Christen! - Sagen wir so: Wie werden wir mehr und mehr freie, selbstbewusste Menschen, zutiefst geerdet und mit unseren Antennen auf den Himmel ausgerichtet, die zusammen das Leben in die Hand nehmen und sich voller Zuversicht (dazu gehört auch die Suche nach sich selbst) für die und in der Welt engagieren - im Vertrauen, darauf, dass der Mensch gewordene Gott uns trägt? (In meiner Predigt habe ich dazu die Schaltung des alten Radiodetektors als anschauliches Bild herangezogen).

Ich danke heute ausdrücklich all denen, die sich bei uns solchen Fragen stellen und sie in begehbare Wege umsetzen: Ich danke meiner Mitarbeiterin, unserer Gemeinderefe-rentin Frau Lamber, die, an allem interessiert, selbständig und selbstverständlich ihre Arbeitsbereiche (Kinder-, Eltern- und Frauenarbeit) in das Gesamt einbringt und, wenn notwendig, vielfältig einspringt. Ich danke unseren Sekretärinnen, die nicht nur Schreibarbeiten erledigen und verwalten helfen, sondern mitdenken und in vielen Situationen gute und wichtige Worte finden, wenn Menschen bei uns anklopfen. Ich danke auch ausdrücklich unseren Erzieherinnen im Kindergarten, die nicht nur konkret Aufgaben bei den "Kleinen" übernehmen sondern auch von ihrer Arbeit erzählen und Anregungen und Impulse geben. Ich danke Frau Selzam, die inzwischen, zunächst als junge Erzieherin und dann als Leiterin, seit dreißig Jahren das Gesicht der Kindertages-stätte prägt.

Kirche hat, weil das wesentlich zur Menschwerdung gehört, auch einen kulturellen Auftrag. Gott sei Dank gibt es in unseren beiden Kirchengebäuden gute Kunst zu bestaunen und zu hören. Am Abschiedstag beeindruckte unser Projektchor und das Orgelspiel. Danke an unsere Musiker Herrn Grothusmann und Herrn Debald!

Wie schon öfter - erinnern Sie sich an unser letztes Pfarrjubiläum - konnte man an Christkönig wieder deutlich sehen, dass wir unsere Aufgabe als Gemeinde an der Landesgrenze nach Frankreich wahrnehmen: Am Altar konzelebrierten auch zwei Vertreter des Bistums Metz, weil sie zu dem Kreis gehören, der sich auch bei uns regelmäßig trifft. - Eine Welt kann über Staatsgrenzen nur zusammenwachsen, wenn man vor Ort die konkreten Schritte geht. Das registrieren dann auch "die da oben". Die inzwischen regeren Kontakte unserer Bischöfe von Metz, Trier und Luxemburg haben auch durch unser Saarbrücker grenzüberschreitendes Engagement Impulse bekommen, wie mir unser Bischof in der Woche vor meinem Abschied noch einmal gesagt hat.

Ein Wort zu meinem neuen Lebensabschnitt: Dass ich in Saarbrücken wohnen bleibe, ist gesagt worden. Ich werde mich als Priester auch im Ruhestand hier auch weiterhin in der Kirche Saarbrückens engagieren, dabei aber zumindest zunächst in Christkönig zu-rückhalten. Die "Ära Rudolph", von der auch die Rede war, ist zu Ende, und das muss auch deutlich sein. Ich bin zuversichtlich, dass Christkönig in der Pfarreiengemeinschaft St. Jakob eine Zukunft hat und weiter wichtig für die Stadt bleibt. Ehren- und hauptamt-liche Mitarbeiterinnen des Pfarrers Dechant Welter haben sich dazu in gutem Einver-nehmen zuversichtlich auf den Weg gemacht. Dass das eine große Aufgabe ist, und dass man auf dem Bisherigen aufbauen kann und muss, ist ihnen bewusst. Nicht nur für die guten Worte am 25. November, sondern auch dafür meinen herzlichen Dank!

Die Stadt Saarbrücken wünscht sich eine engagierte, lebendige und kontaktfreudige Kirche und freut sich über gute Beziehungen. Das haben die Worte unserer Oberbürger-meisterin Frau Britz gezeigt, - über ihr Kommen habe nicht nur ich mich sehr gefreut - und auch andere politische Vertreter, die ich nach der Festmesse sprach.

Behüte Sie, behüte uns Gott auf unseren Wegen! Gesegnete Weihnachten und ein gutes neues Jahr!